Das Mahnmal

August 15, 2007 at 8:00 | In blinklichter | Leave a Comment
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Persönlich habe ich keine besondere Affinität zu amerikanischen Autos. Gewiss, es gibt ein paar Modelle, die ich gerne einmal sehen würde. Den 1968er Dodge Charger R/T etwa (nicht schön, aber eine Ikone), den einen oder anderen Buick, oder den 1967er Shelby Mustang GT 500, den (oder die) Nicolas Cage im (denkbar schlechten) Film „Gone in Sixty Seconds“ Eleanor nennt. Aber sonst? Irgendwie bin ich niemals richtig warm geworden mit den wuchtigen Karosserien und den grossen V8-Aggregaten, die sich darunter verbergen. Meine Leidenschaft gilt dann doch eher den europäischen Autos, und darunter natürlich (nicht besonders originell, ich weiss) den Italienern.

Doch es gibt eine amerikanische Marke, die auch mich nicht kalt lässt. Eine Marke, die sowohl Enthusiasten als auch wenig autobegeisterte Zeitgenossen zu fesseln vermag. Ich spreche vom Cadillac. Ausladender Kühlergrill, Heckpartien, die eher an Kampfjets erinnern, Elvis, Gangsterfilme, technische Innovationen, designerische Meilensteine und viele weitere Assoziationen, die diese acht Buchstaben auslösen können. Der Caddy ist eine schillernde Legende, die seinesgleichen sucht. Doch nicht nur. Leider steht der Cadillac auch für einen unvergleichlichen Niedergang. Für Missmanagement und Stagnation – sowohl technisch als auch in puncto Design. Sein Symbol findet dieser Niedergang in den Modellen der 90er-Jahre. Zum Exempel: der 1991 Sedan deVille.

Cadillac Sedan deVille 1991 - das Mahnmahl
© blinklicht.wordpress.com

Der Cadillac wurde zum Schatten seiner selbst. Er hat Staub angesetzt. Man muss sich vor Augen halten, dass der abgebildete Wagen im Jahre 1991 vom Stapel lief. Unvorstellbar, oder? Und die Frage sei erlaubt: Was hat dieser Sedan deVille mit den legendären 59er-Modellen gemein? Dabei geht es nicht primär darum, ob der 91er deVille ein schönes Auto ist oder nicht. Darüber lässt sich freilich streiten. Sondern es geht darum, ob dieses Ding ein Cadillac ist oder nicht. Und diese Frage muss verneint werden. Nein, das ist kein Caddy! Es ist die Antithese zu dem, was in den 50er-Jahren unter der Bezeichnung Cadillac Furore gemacht hat. DerKühlergrill? Ein langweiliger Abklatsch. Die Heckpartie? Zu kurz. Und das Kultpotential? Für Elvis zu wenig, so viel ist sicher.

Dieser Wagen, stellvertretend für die meisten Caddys der 90er, ist für mich ein Mahnmal. Ein Mahnmal für Autobauer, die mit althergebrachten Ideen Geld verdienen wollen. Wie zum Beispiel Chevrolet, die sich nicht zu schade sind, ihr Logo auf koreanische Billigtechnologie zu pappen. Oder Pontiac, die ein australisches Coupé missbrauchen, um schnellschnell ihren GTO wiederzubeleben. Bei Cadillac scheint die Krise überwunden und ein Umdenken eingesetzt zu haben. Mir gefallen die neuen Modelle zwar nicht sonderlich, aber: sie haben Charakter. Sie heben sich wohltuend vom automobilen Einheitsbrei ab. Ich denke zwar nicht, dass Cadillac den Anschluss an die glorreichen Zeiten wieder findet. Die Krise der 90er-Jahre ist eine zu grosse Zäsur. Doch vielleicht ist das gar nicht so schlimm. Denn so entsteht Raum für Neues und die Marke kommt wieder in Bewegung – so wie es sein soll.

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